Montag, 8. April 2013

|Rezension| "Von wegen Liebe" von Kody Keplinger

























Es war echt immer dasselbe.

Für die siebzehnjährige Bianca gibt es keine wahren Gefühle bei unter Zwanzigjährigen. Liebe, das ist etwas, was man für seine Familie und Freunde empfinden kann, aber nicht für einen gutaussehenden Jungen. Auch als sie Wesley Rush, den Womanizer der Schule, kennenlernt, hält sie an diesem Glauben fest - vor allen Dingen weil er sie eine "Duff" (Die unattraktive fette Freundin) nennt und durch sie an eine ihrer besten Freundinnen herankommen will. Verfolgt von dem Begriff Duff, sinkt ihr Selbstbewusstsein und auch sonst scheint alles schief zu gehen: Ihre Familie bricht nach und nach auseinander und ihr großer Schwarm hat eine Freundin. Da hilft nur eins: Ablenkung. Und da kommt der draufgängerische Wesley gerade richtig und noch ehe Bianca es sich versieht, liegt sie in seinen Armen - doch mehr als Spaß ist das natürlich nicht. Schließlich gibt es für Bianca keine Liebe und es ist allseits bekannt, dass Wesley sich nie auf feste Beziehungen einlässt...

Kody Keplingers Schreibstil ist direkt und ehrlich, ist er doch aus der Sicht der zynischen Bianca geschrieben, die nicht lange fackelt und (meistens) sagt, was sie denkt. So ist der Stil eher jugendlich, wenn auch sehr nachdenklich gehalten und lässt sich flüssig und leicht lesen. Ein bisschen erinnerte mich das Ganze an Simone Elkeles' Stil: Eben leicht, frisch und jugendlich und doch mit dieser besonderen Prise Nachdenklichkeit. Mehr Besonderheiten sind allerdings nicht festzustellen, keine Verschnörkelungen oder sonstiges - nur reine Reproduktion der Gedanken.

Diese leichten und frischen Taschenbuchgeschichten eignen sich perfekt zum weglesen, dahinschmelzen und träumen. Das ganze wird lediglich dann zum Problem, wenn einem dreihundertfünfzig Seiten schlichtweg viel zu wenig sind und die erst so leicht genommene Liebesgeschichte einem doch näher geht, als man es eigentlich gedacht hat. Als ich "Von wegen Liebe" begonnen habe, habe ich mich auf eine seichte Hassliebesgeschichte eingestellt, die ebenso schnell vorbeigeht, wie sie angefangen hat, wurde dann jedoch eines Besseren belehrt. Der größte und, abgesehen von kleineren Schwächen, allerallergrößte Makel dieses Buch ist nämlich der, dass es
viel, viel, viel zu kurz ist und viel, viel, viel zu schnell vorbeigeht. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, kam mir nur der Gedanke: Was? Das war's? Und tatsächlich. Das war's.

Um ehrlich zu sein, war ich auf den ersten Seiten doch erstmal sehr skeptisch. Bianca kam mir erst sehr verbittert vor, da sie der typische Fall von bloß nicht auf die Tanzfläche gehen ist. Eben eine richtige Duff, wie es Wesley so schön ausdrückt. Allerdings bekommt man schnell mit, weswegen Bianca sich so gibt, wie sie eben ist. Vieles in ihrem Leben läuft nicht glatt und gerade, weil ihre Mutter nie zu Hause ist, fehlt ihr ein großer und wichtiger Teil. Ansonsten ist sie eine sehr sympathische und nachdenkliche Hauptfigur, die vor allen Dingen durch ihre Ecken und Kanten so glaubwürdig und dreidimensional wirkt. Auch Wesley ist ein faszinierender Charakter, hinter dem natürlich mehr steckt, als man es anfangs dachte - hinter seiner harten Fassade verbirgt sich ebenfalls ein Makel, der seiner Person viel mehr Tiefe verleiht. Allerdings kam mir seine Person etwas zu kurz, man erfährt nicht sehr viel von ihm und auch sonst sind die Szenen, in denen er direkt auftritt rar gesät. Alle anderen Figuren, wie beispielsweise Biancas beste Freundinnen und ihr Vater sind durchweg glaubwürdig und mir teils auch sehr ans Herz gewachsen.

Neben Neckereien und Hassgeständnissen, die die typische Hassliebe hervorheben, hat "Von wegen Liebe" den besonderen Pluspunkt, dass die Liebesbeziehung zwischen Bianca und Wesley mal etwas ganz anderes ist. Die beiden schlafen miteinander. Ja, ihr habt richtig gehört. Anfangs geht es nur darum, dass Bianca ihre Probleme vergisst und ja, sie haben Sex. So richtigen Sex. Sex, der sogar beschrieben wird und das auf eine sehr schöne und andeutende Art und Weise. Zwar werden keine expliziten Begriffe genannt, aber man weiß auch immer, was genau die beiden da gerade veranstalten und ich muss sagen, dass ich das ganz wunderbar erfrischend fand. Die Chemie zwischen den beiden spielt da ebenfalls eine entscheidende Rolle, denn von Anfang an ist eine gewisse Spannung zu spüren, die sich durch das gesamte Buch zieht. Ständig wartet man darauf, dass etwas zwischen Bianca und Wesley geschieht - und es geschieht eine Menge, inkl. böser Überraschungen.

Eine weitere große Stärke der Geschichte ist der Umgang mit Schönheit, Freundschaft, Familie und dem Selbstbewusstsein einer jungen Frau, die noch nicht ganz zu ihrem Körper steht. Ganz nach dem englischen Titel "Duff" behandelt das Buch Mädchen und ihre Beziehungen zu ihren Körpern, gerade in der Teenagerzeit und das hat mich doch so manches Mal an mich selbst erinnert. Umso besser, dass dann auch eine schöne Botschaft vermittelt wird, die ich nur unterschreiben kann: Die meisten Mädchen machen sich selbst zur Duff und steigern sich immer mehr hinein in diese unliebsame Rolle. Auch Konflikte werden glaubwürdig behandelt und gelöst (oder eben auch nicht). Im
Vordergrund steht so auch die Entwicklung der Familienprobleme, die Bianca immer mehr zusetzen und mich das ein oder andere Mal auch sehr schockten.

Was ist dann nun das Problem mit dieser Geschichte? Im Grunde hat es doch nur Pluspunkte, von Kleinigkeiten mal abgesehen (mir ging es beispielsweise zu schnell, wie Bianca sich Wesley an die Lippen wirft, aber wirklich störend empfand ich das nicht). Das Problem ist, dass es so viele Dinge behandelt und dabei irgendwie zu wenig Potenzial ausschöpft - vieles wird angeschnitten, aber irgendwie in der Luft hängen gelassen. Ich hätte einfach gerne mehr Szenen zwischen Bianca und Wesley erlebt, in denen sie wirklich viel miteinander reden, mehr Szenen, in denen die Probleme noch mehr eskalieren. Einfach ein großes "Mehr", dass nun in der Luft hängt und verdutzt die Seiten umblättert, für den Fall, dass ich etwas überlesen habe. Aber nein, mehr ist da nicht. Vielleicht bedeutet das auch einfach nur, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat, aber ich habe einfach das Gefühl, dass etwas gefehlt hat. Etwas, dass dem Buch noch mehr Tiefe verliehen hätte (obwohl davon schon einiges vorhanden war!).

Von wegen Liebe? Von wegen dieses Buch kann nicht mit anderen Liebesgeschichten mithalten! Denn was zwischen diesen duffigen Seiten steckt, ist mehr als nur eine kleine Romanze - mehr, als ich erwartet hätte. Die zynische wie sympathische Bianca zerrt uns durch ein Gefühlschaos, wie es schlimmer nicht sein könnte und uns wird einiges geboten: Familienprobleme, Selbstbewusstseinskonflikte und so manche Sexszene. Die typische Hassliebe ist "Von wegen Liebe" zwar nicht unbedingt, auch wenn Bianca Wesley nicht richtig ausstehen kann - viel mehr geht es um den Wunsch nach Geborgenheit und Ablenkung, um Zuflucht und Selbstbewusstsein. Obwohl am Ende viel zu wenig Buchstaben und Seiten vorhanden waren und das Buch definitiv noch Luft nach oben hat, hat es mich tief berührt, mir das ein oder andere Mal sogar Tränchen ins Gesicht gezaubert. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die eine besondere (Un-)Liebesgeschichte mit Tiefgang lesen wollen!


Kody Keplin wurde in Kentucky geboren und begann bereits mit 11 Jahren das Schreiben. "The Duff", der erste Roman, der publiziert wurde, schrieb sie in ihrem letzten High School Jahr. Heute lebt sich in New York und schreibt hauptberuflich. Ihr aktuellstes Buch "Von wegen Liebe" erscheint im Januar 2013 in Deutschland (Der Rest hoffentlich auch bald!). [via Lovelybooks]
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Kommentare:

  1. Wieder eine schöne Rezension!
    Ich liebe Contemporary ja wirklich, nur hört es sich so an als würde es kein richtiges Happy End für die Liebe geben, was ich an Büchern liebe. (hehe) Aber ansonsten klingt der Stil echt super und der englische Titel passt viel besser als der deutsche!

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    1. Danke, aber ich glaube, ich habe an keiner Stelle auch nur ansatzweise erwähnt, dass das Buch kein Happy End hat :D Also es hat eins, falls dich das beruhigt.

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  2. Eine sehr schöne Rezension, jetzt bin ich fast noch neugieriger auf das Buch. Besonders wenn das Wetter frühlingshaft wird, ist mir irgendwie immer mehr und mehr nach solchen Büchern und dieses hier klingt ziemlich gelungen, obwohl es mich doch ein wenig skeptisch macht, dass die Autorin die vielen Themen nicht besonders doll vertieft. Am besten ist es wohl, wenn ich das Buch selbst einmal ausprobiere. Danke für den Tipp :)

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